Das Interesse an der NS-Zeit ist ungebrochen: Seitdem das US-Nationalarchiv die digitalisierte Mitgliederkartei der NSDAP online zugänglich gemacht hat, suchen Millionen Menschen nach Informationen über die Vergangenheit ihrer Familien. Allein in den ersten Wochen wurden über 1,5 Millionen Zugriffe auf das online archiv nsdap verzeichnet.
Auch mehr als 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist das Interesse an der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland groß. Viele Menschen möchten mehr über die Rolle ihrer Vorfahren in dieser Zeit erfahren. Insbesondere die Frage, ob und in welcher Form Familienmitglieder in das NS-Regime verstrickt waren, bewegt viele Nachkommen. Die nun erfolgte Online-Veröffentlichung der NSDAP-Mitgliederkartei durch das US-Nationalarchiv bietet hierfür eine neue Möglichkeit der Recherche. In Deutschland selbst unterliegt der Zugang zu solchen Informationen strengeren Auflagen.
Seit dem 20. März 2026 sind die digitalisierten Mitgliedskarteien der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) im US-amerikanischen Nationalarchiv online verfügbar. Es handelt sich dabei um die mikroverfilmte Zentralkartei und die Ortsgruppenkartei der NSDAP. Diese Karteien enthalten Daten von Millionen Deutschen, die bis 1945 Mitglied der NSDAP waren. Laut dem Deutschen Historischen Museum hatte die NSDAP am Ende des Zweiten Weltkriegs rund 8,5 Millionen Mitglieder. Das entsprach etwa jedem fünften erwachsenen Deutschen im Jahr 1945. (Lesen Sie auch: Justin Bieber: Coachella-Auftritt spaltet die Gemüter)
Die Online-Verfügbarkeit der Karteikarten ermöglicht es nun, ohne vorherigen Antrag in den digitalisierten Dokumenten zu recherchieren. Das US-Nationalarchiv verzeichnet seit der Freischaltung der digitalisierten Dokumente einen enormen Andrang. Zeitweise kam es aufgrund der hohen Zugriffszahlen zu Überlastungen der Seite.
Katharina Ernst, die Leiterin des Stuttgarter Stadtarchivs, empfiehlt, die Online-Suche zu nutzen, um mehr über die eigene Familiengeschichte in der NS-Zeit zu erfahren. Gegenüber der Stadt Stuttgart sagte sie: “Jeder sollte mal den Namen seines Großvaters eingeben, ja! Menschen interessieren sich zunehmend für die eigene Familiengeschichte in der NS-Zeit. Dieses Interesse bekommt durch solche tollen digitalen Möglichkeiten einen ungeheuren Schub.”
Die blosse Mitgliedschaft in der NSDAP allein sagt jedoch noch nicht viel über die tatsächliche Gesinnung der betreffenden Person aus. Viele Menschen traten der NSDAP aus Opportunismus bei, um berufliche Vorteile zu erlangen oder Repressalien zu entgehen. Andere waren jedoch überzeugte Anhänger des Nationalsozialismus und unterstützten das Regime aktiv. Um ein umfassendes Bild zu erhalten, ist es daher wichtig, weitere Quellen und Informationen zu berücksichtigen. (Lesen Sie auch: Nadia Fares Tod: Farès tot: Schauspielerin stirbt)
Der Historiker Götz Aly betont im SZ-Podcast „Auf den Punkt“, dass viele Deutsche von den Verbrechen der Nationalsozialisten profitiert haben. Seiner Ansicht nach zog die NSDAP vor allem junge, aufstiegsorientierte Menschen an, die durch die Wirtschaftskrise frustriert waren. Viele traten der NSDAP also aus Opportunismus bei, um beruflich voranzukommen. Aly erklärt auch, dass viele Deutsche durch den Raub jüdischen Eigentums profitiert und so eine „Verbrechensgemeinschaft“ gebildet haben. Allerdings habe es auch NSDAP-Mitglieder gegeben, die sich beispielsweise bei den Euthanasie-Morden nicht beteiligten, so Aly. Ein umfassendes Bild der NS-Zeit und der Rolle Einzelner erfordert daher eine differenzierte Betrachtung.
Die Online-Verfügbarkeit der NSDAP-Mitgliederkartei bietet eine wichtige Möglichkeit, sich mit der eigenen Familiengeschichte und der Zeit des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Sie ermöglicht es, Informationen über die Mitgliedschaft von Familienangehörigen in der NSDAP zu finden und diese in einen historischen Kontext einzuordnen. Allerdings ist es wichtig, die Informationen kritisch zu hinterfragen und weitere Quellen zu berücksichtigen, um ein umfassendes Bild zu erhalten. Die Tagesschau berichtete, dass das US-Nationalarchiv bereits 1,5 Millionen Aufrufe der Suche verzeichnet.
Es ist zu erwarten, dass das Interesse an der Online-Suche in der NSDAP-Mitgliederkartei auch in Zukunft hoch bleiben wird. Die Möglichkeit, auf einfache Weise Informationen über die eigene Familiengeschichte zu erhalten, wird von vielen Menschen genutzt. Es bleibt zu hoffen, dass diese Auseinandersetzung mit der Vergangenheit dazu beiträgt, die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus wachzuhalten und Lehren für die Zukunft zu ziehen. (Lesen Sie auch: Julia Mayer gibt Profi-Tipps kurz vor dem…)
Das digitalisierte Archiv der NSDAP-Mitgliederkartei ist auf der Webseite des US-amerikanischen Nationalarchivs (National Archives and Records Administration) zugänglich. Dort können Interessierte in den digitalisierten Karteikarten recherchieren.
Die Kartei enthält Informationen über Personen, die bis 1945 Mitglied der NSDAP waren. Dazu gehören in der Regel Name, Geburtsdatum, NSDAP-Mitgliedsnummer und gegebenenfalls weitere Angaben zur Parteizugehörigkeit und Funktion.
Die US-amerikanischen Nationalarchive haben die Kartei im Rahmen ihrer Aufgabe digitalisiert und online gestellt, um den Zugang zu historischen Dokumenten zu erleichtern und die Aufarbeitung der NS-Zeit zu fördern. Dies entspricht dem Informationsfreiheitsgesetz der Vereinigten Staaten. (Lesen Sie auch: Verkehrsbehinderungen beim Vienna City Marathon: Was)
Die Kartei ist eine historische Quelle, die jedoch Fehler und Ungenauigkeiten enthalten kann. Eine Mitgliedschaft allein sagt zudem nichts über die tatsächliche Haltung einer Person zum NS-Regime aus. Daher ist eine kritische Einordnung der Informationen wichtig.
Neben der NSDAP-Mitgliederkartei gibt es zahlreiche weitere Quellen zur Erforschung der NS-Zeit, wie etwa Archivdokumente, Zeitzeugenberichte, Gerichtsurteile und wissenschaftliche Publikationen. Auch regionale Archive und Gedenkstätten können wertvolle Informationen liefern.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Anleger sollten eigene Recherche betreiben.
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