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Lohnfortzahlung Krankheitsfall: Dauer, Höhe & Anspruch

📖 Lesezeit: 8 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 2. Januar 2026

Was bedeutet Lohnfortzahlung im Krankheitsfall?

Lohnfortzahlung Krankheitsfall – wenn du krank wirst und nicht arbeiten kannst, hast du als Arbeitnehmer in Deutschland Anspruch auf Weiterzahlung deines vollen Gehalts. Diese gesetzliche Absicherung ist im Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG) geregelt und gilt für maximal sechs Wochen pro Erkrankung. In diesem Ratgeber erfährst du alles zu den Voraussetzungen, der Berechnung und was nach den sechs Wochen passiert.

Die Entgeltfortzahlung ist ein wichtiger Pfeiler des deutschen Arbeitsrechts. Sie schützt Arbeitnehmer davor, bei Krankheit in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Aktuell wird das Thema politisch diskutiert: Arbeitgeberverbände fordern Kürzungen, während das Bundesarbeitsministerium Einschränkungen ablehnt.

💡 Kurz erklärt: Arbeitnehmer erhalten bei Krankheit 6 Wochen lang ihr volles Gehalt vom Arbeitgeber. Danach springt die Krankenkasse mit Krankengeld ein.

Gesetzliche Grundlagen der Entgeltfortzahlung

Das Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG) regelt seit 1994 die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall einheitlich für alle Arbeitnehmer in Deutschland. Der zentrale Paragraph lautet:

§ 3 Abs. 1 EntgFG: „Wird ein Arbeitnehmer durch Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit an seiner Arbeitsleistung verhindert, ohne dass ihn ein Verschulden trifft, so hat er Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall durch den Arbeitgeber für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit bis zur Dauer von sechs Wochen.”

Voraussetzungen für die Lohnfortzahlung

Damit du Anspruch auf Entgeltfortzahlung hast, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

Voraussetzung Erklärung
Arbeitsverhältnis seit 4 Wochen Du musst mindestens 4 Wochen ununterbrochen beim Arbeitgeber beschäftigt sein (Wartezeit)
Arbeitsunfähigkeit durch Krankheit Eine Erkrankung verhindert dich an der Ausübung deiner Arbeit
Kein Selbstverschulden Die Krankheit darf nicht durch grobes Eigenverschulden entstanden sein
Krankmeldung Unverzügliche Mitteilung an den Arbeitgeber + ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung

Wer hat Anspruch auf Lohnfortzahlung?

Der Anspruch auf Entgeltfortzahlung gilt für alle Arbeitnehmer – unabhängig von der Vertragsart:

  • Vollzeitbeschäftigte
  • Teilzeitkräfte
  • Minijobber (450-Euro-Jobs bzw. 538-Euro-Jobs)
  • Auszubildende
  • Werkstudenten
  • Saisonarbeiter

Was bedeutet „unverschuldet”?

Die Arbeitsunfähigkeit darf nicht selbst verschuldet sein. Als Selbstverschulden gilt ein grober Verstoß gegen das eigene gesundheitliche Wohlergehen:

Selbstverschuldet (kein Anspruch) Nicht selbstverschuldet (Anspruch)
Unfall unter Alkoholeinfluss (z.B. betrunken Auto fahren) Erkältung durch Spaziergang im Regen
Verletzungen durch illegale Aktivitäten Sportverletzung bei normaler Sportausübung
Schlägerei, die man selbst begonnen hat Verletzung durch fremdes Verschulden

🎯 Gut zu wissen: Auch eine nicht rechtswidrige Sterilisation oder ein legaler Schwangerschaftsabbruch gelten laut § 3 Abs. 2 EntgFG als unverschuldete Arbeitsunfähigkeit.

Dauer und Höhe der Lohnfortzahlung

Wie lange wird Lohnfortzahlung gezahlt?

Der Arbeitgeber muss das Gehalt für maximal 6 Wochen (42 Kalendertage) fortzahlen. Die Frist beginnt am ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit – dabei zählen auch Wochenenden und Feiertage mit.

Wie hoch ist die Lohnfortzahlung?

Du erhältst 100 Prozent deines regulären Bruttogehalts – so als hättest du gearbeitet. Das umfasst auch:

  • Grundgehalt
  • Übliche Zuschläge (Nachtarbeit, Sonntagsarbeit)
  • Vermögenswirksame Leistungen
  • Sachbezüge (z.B. Dienstwagen)
Zeitraum Zahlung durch Höhe
Woche 1-6 Arbeitgeber (Entgeltfortzahlung) 100% Bruttogehalt
Ab Woche 7 Krankenkasse (Krankengeld) 70% Brutto, max. 90% Netto

Krankmeldung: Was müssen Arbeitnehmer beachten?

Elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU)

Seit dem 1. Januar 2023 ist die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) für gesetzlich Versicherte Pflicht. Der Arzt übermittelt die Krankschreibung direkt an die Krankenkasse. Der Arbeitgeber ruft die Daten elektronisch bei der Krankenkasse ab.

Deine Pflichten als Arbeitnehmer:

  • Unverzügliche Mitteilung an den Arbeitgeber über die Arbeitsunfähigkeit (formlos, z.B. per Telefon oder E-Mail)
  • Voraussichtliche Dauer der Erkrankung nennen
  • Arztbesuch zur Feststellung der Arbeitsunfähigkeit

⚠️ Wichtig: Ab dem 4. Krankheitstag ist eine ärztliche Bescheinigung vorgeschrieben. Viele Arbeitgeber verlangen diese aber schon ab dem 1. Tag – prüfe deinen Arbeitsvertrag!

Wiederholte Erkrankung: Wann entsteht ein neuer Anspruch?

Ein heikles Thema ist die erneute Erkrankung. Hier gelten besondere Regeln:

Gleiche Krankheit

Wirst du wegen derselben Krankheit erneut arbeitsunfähig, entsteht nur dann ein neuer 6-Wochen-Anspruch, wenn:

  • Du vor der erneuten Arbeitsunfähigkeit mindestens 6 Monate nicht wegen dieser Krankheit arbeitsunfähig warst, ODER
  • Seit Beginn der ersten Arbeitsunfähigkeit mindestens 12 Monate vergangen sind

Andere Krankheit

Bei einer völlig neuen, anderen Erkrankung beginnt die 6-Wochen-Frist von vorne. Die Erkrankungen müssen dabei voneinander unabhängig sein.

Situation Anspruch auf neue 6 Wochen?
Gleiche Krankheit, innerhalb von 6 Monaten ❌ Nein – Zeiten werden zusammengerechnet
Gleiche Krankheit, nach 6 Monaten Pause ✅ Ja – neuer 6-Wochen-Anspruch
Andere Krankheit während laufender AU ✅ Ja – wenn sie alleinige Ursache wird
Neue Krankheit nach Genesung ✅ Ja – neuer 6-Wochen-Anspruch

Was passiert nach 6 Wochen? Krankengeld der Krankenkasse

Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als 6 Wochen, endet die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber. Dann übernimmt die gesetzliche Krankenkasse mit dem Krankengeld:

  • Höhe: 70% des Bruttogehalts, maximal 90% des Nettogehalts
  • Dauer: Maximal 78 Wochen (innerhalb von 3 Jahren wegen derselben Krankheit)
  • Obergrenze 2026: 120,75 Euro pro Tag (= 3.622,50 Euro pro Monat)

💰 Rechenbeispiel: Bei einem Bruttogehalt von 3.500 € erhältst du als Krankengeld ca. 2.450 € (70% Brutto) – abzüglich deiner Sozialversicherungsbeiträge (ca. 12%).

Aktuelle Debatte 2025/2026: Kommt eine Kürzung?

Die Lohnfortzahlung ist aktuell politisch umstritten. Hintergrund sind die hohen Krankenstände und steigenden Kosten für Arbeitgeber.

Forderungen der Arbeitgeberverbände

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) fordert im Februar 2025:

  • Begrenzung auf 6 Wochen pro Kalenderjahr statt pro Krankheit
  • Streichung von Zuschlägen (Nacht-, Sonntags- und Mehrarbeitszuschläge) bei der Lohnfortzahlung
  • Abschaffung der telefonischen Krankschreibung
  • Erweiterte Kontrollmöglichkeiten durch den Medizinischen Dienst

Position des Bundesarbeitsministeriums

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) lehnt Kürzungen ab: „Wer krank gemeldete Beschäftigte unter den Generalverdacht des Blaumachens stellt, hat ein verzerrtes Bild von den arbeitenden Menschen in diesem Land. Die Deutschen sind keine Drückeberger und Faulenzer.”

Kennzahl Wert 2024
Kosten Lohnfortzahlung (gesamt) ca. 82 Mrd. Euro
Durchschnittliche Krankheitstage ca. 19,4 Tage pro Arbeitnehmer
Steigerung seit 2023 + 5 Mrd. Euro

Internationaler Vergleich: Wie großzügig ist Deutschland?

Deutschland hat eine der großzügigsten Lohnfortzahlungsregelungen weltweit:

Land Regelung
Deutschland 100% für 6 Wochen (durch Arbeitgeber)
Frankreich 90% für 30 Tage, dann 66% für weitere 30 Tage
Spanien Ab Tag 4: 60%, ab Tag 21: 75%
Irland 70% für max. 10 Tage/Jahr (ab 2026)
Niederlande 70% für bis zu 104 Wochen

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie lange bekomme ich Lohnfortzahlung im Krankheitsfall?
Der Arbeitgeber zahlt dein Gehalt für maximal 6 Wochen (42 Kalendertage) weiter. Dieser Zeitraum gilt pro Erkrankung. Bei einer neuen, anderen Krankheit beginnt die Frist von vorne.
Wie viel Prozent des Gehalts bekomme ich bei Krankheit?
In den ersten 6 Wochen erhältst du 100% deines regulären Bruttogehalts. Ab der 7. Woche zahlt die Krankenkasse Krankengeld in Höhe von 70% des Bruttogehalts (maximal 90% des Nettogehalts).
Haben Minijobber Anspruch auf Lohnfortzahlung?
Ja, auch Minijobber und geringfügig Beschäftigte haben nach 4 Wochen Betriebszugehörigkeit vollen Anspruch auf Entgeltfortzahlung für 6 Wochen. Die Höhe berechnet sich nach dem durchschnittlichen Verdienst.
Muss ich meinem Arbeitgeber sagen, woran ich erkrankt bin?
Nein, du musst keine Diagnose mitteilen. Der Arbeitgeber erfährt nur, dass du arbeitsunfähig bist und wie lange voraussichtlich. Die Art der Erkrankung unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht.
Was passiert, wenn ich in der Probezeit krank werde?
In den ersten 4 Wochen des Arbeitsverhältnisses besteht kein Anspruch auf Lohnfortzahlung (Wartezeit). Ab der 5. Woche hast du aber auch in der Probezeit vollen Anspruch auf Entgeltfortzahlung.
Kann mein Arbeitgeber die Lohnfortzahlung kürzen?
Nein, das ist gesetzlich nicht zulässig. § 12 EntgFG bestimmt, dass von den Regelungen des Gesetzes nicht zu Ungunsten des Arbeitnehmers abgewichen werden darf. Eine Klausel im Arbeitsvertrag, die nur 80% Lohnfortzahlung vorsieht, wäre unwirksam.
Was ist die telefonische Krankschreibung?
Seit der Corona-Pandemie können Ärzte bei leichten Erkrankungen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nach telefonischer Befragung ausstellen, ohne den Patienten persönlich zu untersuchen. Diese Regelung wird von Arbeitgeberverbänden kritisiert, besteht aber weiterhin.

Fazit: Deine Rechte bei Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist ein wichtiges Arbeitnehmerrecht in Deutschland. Wer unverschuldet krank wird und mindestens 4 Wochen im Unternehmen arbeitet, erhält 6 Wochen lang sein volles Gehalt. Danach springt die Krankenkasse mit Krankengeld ein.

Auch wenn Arbeitgeberverbände aktuell Kürzungen fordern: Politisch ist eine Änderung derzeit nicht absehbar. Bundesarbeitsminister Heil hat Einschränkungen bei der Lohnfortzahlung eine klare Absage erteilt.

Wichtig ist: Melde dich bei Krankheit unverzüglich bei deinem Arbeitgeber und geh zum Arzt. Mit der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) läuft der Rest seit 2023 weitgehend automatisch.


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