Wirtschaft

Wem gehört Vattenfall? Der Staatskonzern hinter der Marke

Wem gehört Vattenfall – Infografik: Der Energiekonzern gehört zu 100 Prozent dem schwedischen Staat

Wem gehört Vattenfall? Anders als bei E.ON oder RWE steckt hier kein privater Konzern dahinter, sondern ein Staat: Die Vattenfall AB gehört zu 100 Prozent dem Königreich Schweden. Das deutsche Geschäft führt die Vattenfall GmbH mit Sitz in Berlin – eine hundertprozentige Tochter des schwedischen Mutterkonzerns und nach E.ON, RWE und EnBW der viertgrößte Energieversorger Deutschlands. Aktien gibt es keine zu kaufen.

Kurz zusammengefasst
Wem gehört Vattenfall? Zu 100 Prozent dem schwedischen Staat. Die Muttergesellschaft Vattenfall AB sitzt in Solna bei Stockholm, das Deutschland-Geschäft steuert die Vattenfall GmbH aus Berlin. Der Konzern ist nicht börsennotiert – private Anleger können keine Aktien erwerben.

Das Wichtigste im Überblick

  • Die Vattenfall AB ist vollständig im Besitz des schwedischen Staates – ohne private Aktionäre.
  • Die deutsche Vattenfall GmbH (Berlin) entstand 2002 aus der Fusion von HEW, VEAG und LAUBAG, 2003 kam die Berliner Bewag hinzu.
  • Vattenfall ist der viertgrößte Energieversorger Deutschlands – hinter E.ON, RWE und EnBW.
  • Seit 2010 hat Vattenfall in Deutschland viel verkauft: Übertragungsnetz (50Hertz), Braunkohle, Berliner Stromnetz und Fernwärme.
  • Kernmärkte in Deutschland sind heute der Strom- und Gasvertrieb sowie Wind- und Solarprojekte.

Wem gehört Vattenfall wirklich?

Vattenfall gehört zu 100 Prozent dem schwedischen Staat – vertreten durch die Regierung in Stockholm, die die Staatsunternehmen des Landes verwaltet (Regeringskansliet). Es gibt keine privaten Anteilseigner und keine Börsennotierung. Ein Teil des Gewinns fließt als Dividende direkt in den schwedischen Staatshaushalt.

In Deutschland tritt der Konzern über seine Tochter auf: Die Vattenfall GmbH mit Sitz in Berlin ist nach eigenen Angaben ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der staatlichen Vattenfall AB. Nach eigener Darstellung zählt sich der Konzern zudem zu den fünf größten Stromerzeugern Europas.

Was bedeutet der Name Vattenfall?

Vattenfall ist das schwedische Wort für Wasserfall. Der Name geht auf die Ursprungsbehörde Kungliga Vattenfallstyrelsen zurück – die „königliche Wasserfallbehörde», die Anfang des 20. Jahrhunderts die Wasserkraft Schwedens erschloss. Aus der Behörde wurde ein Staatskonzern, aus dem Staatskonzern ein internationaler Energieversorger. Der Staatsbesitz blieb dabei über die gesamte Firmengeschichte unverändert.

Wie kam Vattenfall nach Deutschland?

Vattenfall kam über Beteiligungskäufe nach der Strommarkt-Liberalisierung nach Deutschland: 1999 stiegen die Schweden mit 25,1 Prozent bei den Hamburgischen Elektricitäts-Werken (HEW) ein, 2001 übernahmen sie die Mehrheit. Die heutige Vattenfall GmbH entstand 2002 aus der Fusion von HEW, der ostdeutschen VEAG und dem Braunkohleförderer LAUBAG – Anfang 2003 kam die Berliner Bewag dazu, wie das Handelsblatt in seinem Konzernporträt nachzeichnet.

2006 führte der Konzern die einheitliche Marke Vattenfall ein, 2008 folgte der Squeeze-out der Minderheitsaktionäre der damaligen Vattenfall Europe AG. Seither ist das Deutschland-Geschäft vollständig in schwedischer Staatshand.

Jahr Ereignis
1999 Einstieg bei HEW mit 25,1 Prozent
2002 Fusion von HEW, VEAG und LAUBAG zur heutigen Vattenfall GmbH
2003 Integration der Berliner Bewag
2006 Einheitliche Marke Vattenfall in ganz Deutschland
2008 Squeeze-out der Minderheitsaktionäre, Ende der Börsennotierung
2010 Verkauf des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz an Elia und IFM
2016 Verkauf des Lausitzer Braunkohlegeschäfts (heute LEAG)
2021 Verkauf des Berliner Stromnetzes an das Land Berlin
2024 Verkauf des Berliner Fernwärmegeschäfts an das Land Berlin

Was hat Vattenfall in Deutschland verkauft?

Vattenfall hat sich in Deutschland von großen Teilen seiner Infrastruktur getrennt: 2010 ging der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz an den belgischen Netzbetreiber Elia (60 Prozent) und den australischen Infrastrukturfonds IFM (40 Prozent), wie der Bund der Energieverbraucher dokumentiert. 2016 folgte das Lausitzer Braunkohlegeschäft, das an die tschechischen Investoren EPH und PPF ging und heute als LEAG firmiert.

Auch die Hauptstädte holten sich ihre Netze zurück. Hamburg kaufte nach einem Volksentscheid sein Stromnetz zurück, Berlin übernahm 2021 das Berliner Stromnetz und 2024 zusätzlich das Fernwärmegeschäft. Übrig bleibt ein fokussiertes Deutschland-Geschäft: Strom- und Gasvertrieb mit Schwerpunkt Berlin und Hamburg sowie Wind- und Solarprojekte auf dem Weg zu fossilfreier Erzeugung.

Kann man Vattenfall-Aktien kaufen?

Nein, Vattenfall-Aktien sind nicht handelbar – der Konzern ist nicht börsennotiert, sämtliche Anteile hält der schwedische Staat. Wer dennoch in das Unternehmen investieren möchte, kann lediglich auf Vattenfall-Anleihen am Kapitalmarkt ausweichen. Das unterscheidet den Konzern von E.ON, RWE und EnBW, deren Aktien an deutschen Börsen gehandelt werden.

💡 Praxis-Tipp

Staatskonzern heißt nicht automatisch Monopol: Auch in Grundversorgungsgebieten von Vattenfall wie Berlin oder Hamburg können Sie Ihren Stromanbieter frei wählen. Ein Tarifvergleich lohnt sich – gerade der Wechsel aus der Grundversorgung in einen Sondertarif spart oft mehrere Hundert Euro im Jahr.

Häufig gestellte Fragen

Ist Vattenfall ein deutsches Unternehmen?

Nein. Vattenfall ist ein schwedischer Staatskonzern mit Sitz in Solna bei Stockholm. In Deutschland ist er über die Tochtergesellschaft Vattenfall GmbH mit Sitz in Berlin aktiv – dort aber seit über 20 Jahren fest verankert.

Kann ich Vattenfall-Aktien kaufen?

Nein. Der Konzern gehört vollständig dem schwedischen Staat und ist nicht börsennotiert. Für Anleger bleiben nur Vattenfall-Anleihen als Investitionsmöglichkeit.

Gehört das Berliner Stromnetz noch Vattenfall?

Nein. Das Land Berlin hat das Berliner Stromnetz 2021 von Vattenfall zurückgekauft. 2024 übernahm das Land zusätzlich das Berliner Fernwärmegeschäft des Konzerns.

Was heißt Vattenfall auf Deutsch?

Vattenfall ist Schwedisch und bedeutet Wasserfall. Der Name stammt von der Vorgängerbehörde Kungliga Vattenfallstyrelsen, der königlichen Wasserfallbehörde, die einst Schwedens Wasserkraft erschloss.

Wie groß ist Vattenfall in Deutschland?

Vattenfall ist der viertgrößte Energieversorger Deutschlands nach E.ON, RWE und EnBW. Schwerpunkte sind der Strom- und Gasvertrieb mit starker Präsenz in Berlin und Hamburg sowie Erneuerbare-Energien-Projekte.

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Fazit

Wem gehört Vattenfall? Dem schwedischen Staat – zu 100 Prozent, seit jeher und ohne private Aktionäre. In Deutschland ist der Konzern nach großen Verkäufen schlanker geworden: keine Übertragungsnetze mehr, keine Braunkohle, keine Berliner Netze. Geblieben ist die Nummer vier des deutschen Energiemarkts, deren Gewinne am Ende in Stockholm landen. Wer bei Vattenfall Strom bezieht, ist damit indirekt Kunde des Königreichs Schweden.