Škoda hat in Sachen Elektromobilität die Nase vorn. Die Modelle Elroq und Enyaq gehören zu den beliebtesten Elektroautos der Deutschen. Lohnt sich der Griff zum Nonplusultra?
Satte 64.940 Euro stehen auf der Preisliste für dieses Testauto. Ein Škoda Enyaq Coupé RS in Stahlgrau mit 21-Zoll-Leichtmetallfelgen, Anhängerkupplung und zwei oft gewählten Ausstattungspaketen (Maxx und Transport). Damit liegt der Wagen in etwa auf dem Level eines Smart 5 Brabus (hier im Test) oder eines VW ID.5 GTX. Kurz: Es ist ein hart umkämpftes Feld. Und doch zeigt ein Blick auf die aktuellen Neuzulassungen von Elektroautos, dass der Enyaq (und der Elroq) zu den Publikumslieblingen gehören. Warum ist das so?
Ohne das Fazit vorwegzunehmen: Vermutlich, weil der Škoda ein verdammt gut durchdachtes Auto ist. Das fängt schon beim Design an. Gerade als Coupé gelingt es dem Wagen, sein üppiges Platzangebot hinter einer sportlichen Silhouette zu verstecken, die bei jedem Gang zum Auto ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Die zusammengekniffenen Frontscheinwerfer, das lange Panoramadach und das zulaufende Heck sind einfach ein Blickfang.
Doch Aussehen ist freilich nicht alles. Und nicht selten fallen Coupés durch ein vermindertes Platzangebot auf – sei es für Passagiere oder Gepäck. Das ist im Enyaq Coupé RS aber nicht der Fall. Der Kofferraum fasst 570 Liter, klappt man die Rückbank um, sind es 1610 Liter. Für größere Möbeleinkäufe, lange Pakete und schwere Lasten ist das Auto ideal ausgestattet. Größere Menschen brauchen sich indes auf der Rückbank keine Sorgen zu machen – selbst mit 1,90 Metern stößt man mit dem Kopf nicht an. Für Kindersitze gibt es hinten zwei Isofix‑Halterungen, beim Testwagen bot auch der Beifahrersitz die praktischen Ankerpunkte.
Was den Platz für Fahrer und Beifahrer angeht, ist ohnehin genug Raum da. Es gibt überall Fächer zum Ablegen von Gegenständen, genug Anschlüsse für Ladekabel von Smartphones, und alles ist problemlos erreichbar. Die Verarbeitung des Wagens ist tadellos, besonders der RS (das Kürzel steht für „Rally Sport“) fällt durch kleinere Farbakzente und schöne Materialien für den Innenraum positiv auf. (Lesen Sie auch: Rolls Royce Nightingale: Das Teuerste E-Auto der…)
Immer wieder stößt man bei dem Fahrzeug auf angenehme Überraschungen, die der Hersteller unter dem Oberbegriff „Simply Clever“ zusammenfasst. Da wären unter anderem ein Regenschirm in der Tür, ein Fach für den Eiskratzer in der Kofferraumklappe, ein Parktickethalter an der Frontscheibe oder eine Kabeltüte für das Ladekabel im Kofferraum. Auch das Umklappen der Rücksitzlehnen per Knopfdruck im Kofferraum oder ein Button für das Ausklappen der Anhängerkupplung zählen dazu. Immer wieder denkt man sich: „Wie praktisch, dass hier jemand mitgedacht hat.“
Da ist es beinahe verwunderlich, dass Škoda beim Mutterkonzern nicht lauter protestiert hat, dass die MEB‑Plattform, auf der ein Enyaq gebaut wird, keinen Frunk, also einen Stauraum unter der Motorhaube, vorsieht. Die gute Nachricht: Es gibt inzwischen passende Einsätze von Drittanbietern. Doch bleibt es ein Rätsel, warum der Hersteller das nicht selbst in die Hand nimmt, wenn doch genug Platz zu sein scheint.
Die vielleicht wichtigste Frage bei einem Elektroauto ist und bleibt die nach der Reichweite. Der Škoda Enyaq Coupé RS wird ausschließlich mit einer 84‑Kilowattstunden‑Batterie (79 kWh netto) gebaut. Laut Hersteller reicht das für rund 550 bis knapp 570 Kilometer. Spoiler: Das haut nicht hin.
Im Test wurde der Wagen in einem Mix aus Stadt, Land und Autobahn bewegt. Der durchschnittliche Verbrauch pendelte sich bei Temperaturen um 12 Grad Celsius bei 18 bis 21 Kilowattstunden ein. Die Gesamtreichweite betrug damit knapp 400 Kilometer. Im Sommer ließe sich sicherlich noch ein wenig aus dem Akku herauskitzeln, doch die Herstellerangaben scheinen etwas hochgegriffen.
Der Verbrauch hängt beim Škoda Enyaq Coupé RS auch mit dem Antrieb zusammen. Es handelt sich um ein Fahrzeug mit Allrad, was sich bei Elektroautos generell im Energiebedarf niederschlägt. Die Leistung des Wagens beträgt 250 Kilowatt, umgerechnet also 340 PS. Das ist für Elektroautos, man mag es kaum glauben, eher durchschnittlich. Doch es reicht für jede Situation. (Lesen Sie auch: DDR Autos: Kult- der, die Geschichte Schrieben)
Was aber nicht ganz zum „Rally Sport“ passen will, sind die Fahrdaten des Škoda Enyaq Coupé RS. Die Beschleunigung des schweren SUV beträgt zwar flotte 5,4 Sekunden auf 100 km/h, doch Schluss ist bereits bei 180 km/h laut Tacho. Verstehen Sie das bitte nicht falsch: Das reicht völlig und ist bei einem Elektroauto durchaus vernünftig, da der Verbrauch ab einer bestimmten Geschwindigkeit in indiskutable Sphären steigt. Nur passt es dann doch nicht so recht zum „sportlichsten Modell“ der Baureihe.
Vergleichsweise gemächlich geht es auch an der Ladesäule zu. Das ist der 400‑Volt‑Architektur des Wagens geschuldet. Im Test erreichte der Škoda Enyaq Coupé RS mit einer vorkonditionierten Batterie eine maximale Ladegeschwindigkeit von rund 184 Kilowatt. Für die Ladung von 20 auf 80 Prozent vergehen im Test etwa 24 Minuten an der Ladesäule, was noch keine Zumutung ist, von anderen Herstellern in dieser Preisklasse aber teils sehr deutlich unterboten wird.
Was die Software betrifft, lässt sich über den Škoda Enyaq Coupé RS viel Gutes sagen. Das System reagiert schnell, die Bedienung ist intuitiv und geht leicht von der Hand. Das Navigationssystem berechnet geplante Ladepunkte gekonnt ein, die Informationen zur aktuellen Fahrt sind trotz erstaunlich kleinem Tacho (dafür aber auch einem erstaunlich großen Head‑up‑Display) stets zuverlässig ablesbar. Im Test fiel weder der Abstandstempomat noch der automatische Spurwechselassistent des Travel Assist durch etwaige Fehler auf. Lange Fahrten lassen sich im Škoda nicht nur komfortabel, sondern auch sicher abspulen. Das gute Fahrwerk steuert seinen Teil dazu bei.
Wie alle Hersteller muss auch Škoda eine Vielzahl nerviger Überwachungssysteme einbauen. Hier macht es bei Tests keinen Sinn mehr, sich über deren Existenz zu beklagen. Doch deren Umsetzung, bei der es offenbar einen Spielraum gibt, kann man bewerten. Was den Geschwindigkeitswarner beispielsweise angeht: Er stört ohnehin kaum, lässt sich aber mit einem Handgriff schnell abschalten. Über Sinn und Unsinn von sogenannten Assistenten, die nur auszuhalten sind, wenn man sie abschaltet, muss an dieser Stelle nicht referiert werden.
Wenn man schon mal beim Abschalten ist, sollte man auch dringend den Müdigkeitssensor deaktivieren. Dieser ist bei Škoda ganz erstaunlich nervig, weil er seine Warnungsintensität tatsächlich eskaliert. Beim ersten Anzeichen von Müdigkeit wird man sanft auf den angeblichen Erschöpfungsgrad hingewiesen, doch verschlechtert sich die Situation in den Augen der Sensoren, piept das Auto ab einem gewissen Punkt zunehmend sehr aggressiv. Was das, abgesehen von einem Schreckensmoment, für den Fahrer machen soll, erschließt sich bis heute nicht. (Lesen Sie auch: Ampel Störung Hamburg: Dauerrot Legte Verkehr Lahm)
Ähnlich empfindlich zeigte sich der Notfalllenkassistent. Fährt man, wie der Tester, mit einem eher lockeren Griff am Lenkrad auf der Autobahn, zeigt der Škoda regelmäßig sein Unbehagen mit den Streicheleinheiten und fordert einen festen Griff am Lenkrad. Das hat dann doch so sehr gestört, dass wir im Test vom Reiseassistenten auf den Abstandstempomaten gewechselt sind, wo die Art des Lenkradberührens nicht so eine entscheidende Rolle zu spielen scheint.
Es hat schon seinen Grund, warum der Škoda Enyaq zu den beliebtesten Elektroautos der Deutschen gehört. Im Grunde lässt der Wagen keine Wünsche offen, es gibt ein hervorragend ausgebautes Händlernetz, die Technik ist weitgehend auf der Höhe der Zeit und die Optik ist über die meisten Zweifel erhaben.
Besonders überzeugt haben die vielen kleinen, intelligenten Funktionen und Fächer. Hier zeigt sich, dass der Hersteller sein Motto „Simply Clever“ ernst nimmt und an praktischen Lösungen für Alltagsproblemchen der Fahrer wirklich interessiert ist. Sollte Škoda, vielleicht mit einem kleinen Update, nochmal an den Assistenten arbeiten, wäre die Liste der (subjektiven) Makel nahezu leer.
Doch es ist so: Der Škoda Enyaq Coupé RS ist mit einem Blick auf die Konkurrenz eigentlich zu teuer. Das ist der Plattform geschuldet. Ein Smart #5 kann in vielen Belangen einfach mehr – und kostet genauso viel.
Beim Škoda Enyaq Coupé macht es daher womöglich finanziell mehr Sinn, sich nicht für das Top‑Modell zu entscheiden, sondern sich die Basisversion „Enyaq Coupé 85“ anzuschauen. Hier beginnen die Preise bei rund 51.800 Euro – und durch den Heckantrieb und die verminderte Motorleistung bekommt man obendrein mehr Reichweite. (Lesen Sie auch: Neue Mercedes C Klasse: C-: Erster Blick)
Ursprünglich berichtet von: Stern
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