Rossmann Online-Apotheke: Drogeriekette kündigt Start an
Lesezeit: 5 Minuten | Letzte Aktualisierung: 23.01.2026
Rossmann Online-Apotheke: Nach dm kündigt auch Rossmann eine eigene Online-Apotheke an. Das bestätigte Geschäftsführer Raoul Roßmann am 22. Januar 2026. Der Versand soll aus den Niederlanden erfolgen, wo bereits die Gesellschaft „Rossmann-Apotheke” in Emmen gegründet wurde. Ein konkreter Starttermin steht noch nicht fest – es sei aber das „zentrale Projekt für 2026″.
Das Wichtigste in Kürze
- Ankündigung: Rossmann bestätigt Pläne für eigene Online-Apotheke
- Standort: Versand aus den Niederlanden (nicht Tschechien wie bei dm)
- Sortiment: Rezeptfreie, apothekenpflichtige Medikamente
- Zeitrahmen: Zentrales Projekt für 2026, kein konkreter Starttermin
- Plattform: Integration in die Rossmann-App (11 Mio. Nutzer)
- Management: Ex-Gehe-Manager Philipp Storb leitet den Aufbau
Die Drogeriekette Rossmann plant eine eigene Online-Apotheke und folgt damit dem Konkurrenten dm, der im Dezember 2025 mit „dm-med” in den Markt eingestiegen ist. Raoul Roßmann, Sprecher der Geschäftsführung, bestätigte die Pläne gegenüber der Lebensmittel Zeitung und erklärte: „Die Online-Apotheke wird kommen.”
Rossmann-Apotheke: Was bisher bekannt ist
Anders als dm, das seine Online-Apotheke aus Tschechien betreibt, setzt Rossmann auf einen Standort in den Niederlanden. In Emmen wurde bereits die neue Gesellschaft „Rossmann-Apotheke” gegründet.
Die Rossmann-App mit ihren rund 11 Millionen registrierten Nutzern soll zur zentralen Plattform für das neue Apothekengeschäft werden. Derzeit liegt der Fokus laut Roßmann auf dem Aufbau der notwendigen IT-Strukturen, „damit das Erlebnis aus Kundensicht so nahtlos wie möglich am Rossmann-Einkauf” sei.

Wer baut die Rossmann-Apotheke auf?
Mit dem Aufbau der Versandapotheke hat Rossmann erfahrene Manager betraut. Philipp Storb, ein ehemaliger Gehe-Manager, ist einer von zwei Geschäftsführern der Rossmann-Apotheke. Gemeinsam mit Malte Held, einem langjährigen Rossmann-Mitarbeiter aus dem Bereich Einkauf, verantwortet er das Projekt.
Storb bringt umfassende Branchenerfahrung mit: Nach seiner Zeit bei Gehe war er von 2017 bis 2021 als Vice President für den gesamten Einkauf bei DocMorris/Zur Rose zuständig. Danach wechselte er zum Aponeo-Mutterkonzern Atida.
💡 Interessante Parallele
Auch dm hat einen früheren Gehe-Manager mit dem Aufbau seiner Versandapotheke betraut: Tobias Frömbling führte seit 2024 die Gespräche mit der Industrie.

Warum die Niederlande als Standort?
Der Standort in den Niederlanden ist kein Zufall. In Deutschland ist es Drogeriemärkten verboten, apothekenpflichtige Arzneimittel zu verkaufen – auch wenn sie rezeptfrei sind. Über den EU-Versandhandel aus zugelassenen Ländern ist der Vertrieb jedoch legal.
Derzeit sind für den Versandhandel von nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten nach Deutschland folgende Länder zugelassen:
- Niederlande
- Tschechien
- Großbritannien
- Island
Auch etablierte Versandapotheken wie Redcare Pharmacy (ehemals Shop Apotheke) und DocMorris nutzen dieses Modell und haben ihren Sitz in den Niederlanden.
„Danke an dm für die Inspiration”
Raoul Roßmann räumte offen ein, dass dm den Anstoß für die eigenen Pläne gab. Er bedankte sich bei der Konkurrenz „für die Inspiration” – er selbst wäre nicht auf die Idee gekommen, ein Apothekenangebot zu starten.
dm hatte seine Online-Apotheke „dm-med” am 16. Dezember 2025 gestartet. Das Sortiment umfasst rund 2.500 rezeptfreie Arzneimittel sowie etwa 1.000 Produkte aus dem Bereich Dermokosmetik. Die Preise liegen teils deutlich unter denen traditioneller Apotheken.
Der wachsende Online-Apothekenmarkt
Der Einstieg von Rossmann trifft auf einen boomenden Markt. Laut dem Verband der europäischen Online-Apotheken stieg der Umsatz der Branche in Deutschland 2024 um 16 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Bei rezeptfreien Medikamenten liegt der Marktanteil der Online-Apotheken bereits bei einem Viertel.
Das E-Rezept, das 2024 eingeführt wurde, gilt als wesentlicher Treiber des Wachstums. Die Bestellung verschreibungspflichtiger Medikamente sei dadurch erheblich einfacher geworden, erklärt Handelsexperte Carsten Kortum von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.
Kritik vom Apothekerverband
Der Deutsche Apothekerverband sieht den Einstieg der Drogerieketten kritisch. Vorsitzender Hans-Peter Hubmann warnt vor verschwimmenden Grenzen zwischen Drogerie und Apotheke. Hochwirksame Arzneimittel dürften nicht „marketinggesteuert rausgehauen” werden.
Die Apotheker befürchten, dass der Unterschied zwischen Apotheke und Drogeriemarkt verwässert wird – und damit auch die pharmazeutische Beratung auf der Strecke bleibt. Rossmann zeigte sich davon unbeeindruckt.
Weitere Wettbewerber erwartet
Experten rechnen damit, dass der Markt noch voller wird. Handelsexperte Kortum erwartet, dass auch Lebensmitteleinzelhändler in den Markt einsteigen werden. Lidl und Amazon gelten als mögliche künftige Wettbewerber.
Die etablierten Versandapotheken wie Redcare Pharmacy und DocMorris müssen sich den Markt mit immer mehr Anbietern teilen. Als die Pläne der Drogerieketten im Oktober 2025 bekannt wurden, reagierten die Börsenkurse beider Unternehmen mit deutlichen Verlusten.
Häufig gestellte Fragen zur Rossmann Online-Apotheke
Fazit
Mit der Ankündigung einer eigenen Online-Apotheke reagiert Rossmann auf den Markteinstieg von dm. Die Drogeriekette mit einem Jahresumsatz von 16,6 Milliarden Euro will den wachsenden Online-Apothekenmarkt nicht der Konkurrenz überlassen. Der Versand aus den Niederlanden soll noch 2026 starten – ein genaues Datum gibt es aber noch nicht. Für Verbraucher bedeutet das: mehr Auswahl und voraussichtlich günstigere Preise bei rezeptfreien Medikamenten.
✍️ Quellen
Lebensmittel Zeitung, Apotheke Adhoc, Deutsche Apotheker Zeitung, Börsen-Zeitung, Lebensmittel Praxis, Dirk Rossmann GmbH
