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Lidl sichert Fleisch: Was hinter dem Klau-Alarm steckt

Vielleicht hast du neulich beim Einkaufen auch verdutzt vor dem Kühlregal gestanden und dich gefragt, warum ausgerechnet Gulasch oder Lachs jetzt einen Alarm-Aufkleber brauchen.


Auf den ersten Blick wirkt das eher nach Elektronikmarkt als nach Discounter um die Ecke.
Trotzdem steckt hinter dieser Diebstahlsicherung eine Mischung aus steigenden Preisen, mehr Ladendiebstählen und der Frage, wie sich Handel und ehrliche Kundschaft am besten schützen können.

Diebstahlsicherung bei Lidl: Was hinter den gelben Stickern steckt

In mehreren Lidl-Filialen in Deutschland, der Schweiz und anderen Ländern tauchen seit einiger Zeit gelbe Aufkleber mit der Aufschrift „Gesicherter Artikel“ auf – oft auf Fleisch, Fisch oder anderen höherpreisigen Produkten. Dahinter steckt kein Marketing-Gag, sondern ein echtes Warensicherungssystem, das mit Funktechnik arbeitet.

Der Hintergrund lässt sich in drei Punkten zusammenfassen:

  1. Deutlich mehr Ladendiebstähle
    Laut Studien des EHI Retail Institute und der Polizeilichen Kriminalstatistik sind die angezeigten Ladendiebstähle in Deutschland zwischen 2022 und 2023 um fast ein Viertel auf rund 426.000 Fälle gestiegen. Zusätzlich geht der Handel davon aus, dass täglich etwa 100.000 Diebstähle unentdeckt bleiben – ein Schaden von mehreren Milliarden Euro pro Jahr.
  2. Teurere Lebensmittel, höherer Anreiz zum Klauen
    Durch Inflation und gestiegene Lebenshaltungskosten sind gerade Fleisch und Butter in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden. In manchen Regionen reagiert Lidl deshalb, indem bestimmte Fleischsorten wie Hackfleisch, Hähnchenschenkel oder Rindergulasch mit einer Diebstahl-Sperre versehen werden.
  3. Pilotprojekte und lokale Entscheidungen
    Lidl hat in der Schweiz und in Deutschland zunächst testweise einzelne Frischfleischartikel – zum Beispiel Lammnierstücke – mit Sicherheitsaufklebern ausgestattet. Offiziell heißt es, man sichere Produkte, die „auffällig häufig gestohlen“ werden. Außerdem entscheiden Filialen teilweise selbst, welche Artikel sie zusätzlich schützen.

Kurz gesagt: Die gelben Sticker sollen Langfinger abschrecken und gleichzeitig helfen, Verluste zu reduzieren, ohne gleich alles hinter Glas wegzusperren.

So funktioniert die Diebstahlsicherung bei Lidl an der Kasse

Technisch steckt hinter der Diebstahlsicherung bei Lidl in vielen Fällen ein sogenanntes RF-Etikett (Radio Frequency). Das ist ein kleiner Funkchip im Aufkleber, der mit einem Warensicherungssystem am Ausgang zusammenarbeitet.

Der Ablauf ist im Alltag ziemlich simpel:

  • Im Regal
    Du siehst das Produkt ganz normal im Kühlregal, nur eben mit einem auffälligen gelben Sticker wie „Gesicherter Artikel – Etikett vor dem Erhitzen entfernen“.
  • An der Kasse
    Beim Bezahlen wird das Etikett entweder
    • durch ein spezielles Gerät deaktiviert oder
    • durch das Kassen-/Scansystem automatisch „entwaffnet“.
  • Am Ausgang
    Ist der Sticker deaktiviert, passiert beim Verlassen des Marktes nichts.
    Ist er nicht deaktiviert (zum Beispiel bei nicht bezahlter Ware), löst das System am Eingang/Ausgang im Idealfall einen akustischen Alarm aus.
  • Zuhause
    Wichtig: Das Etikett sollte vor dem Erhitzen wirklich entfernt werden – genau deshalb steht dieser Hinweis meist deutlich auf dem Aufkleber. Das gilt insbesondere für Mikrowelle, Backofen oder Pfanne.

Nicht jede Filiale hat dabei eine voll ausgebaute Anlage am Ausgang. Manche Händler nutzen die Etiketten hauptsächlich zur Abschreckung, andere haben komplette Antennensysteme.

Warum ausgerechnet Fleisch, Fisch und andere Frischeprodukte gesichert werden

Vielleicht fragst du dich: Warum trifft es ausgerechnet das Steak, das Hackfleisch oder die Lachsfilets – und nicht nur teuren Whisky?

Dafür gibt es mehrere Gründe:

  1. Hoher Wert auf kleiner Fläche
    Ein paar Packungen Rindersteaks oder Lachsfilets im Einkaufswagen können schnell 20–30 Euro oder mehr kosten. Gleichzeitig sind sie handlich und relativ leicht zu verstecken.
  2. Beliebt bei organisierter Kriminalität
    Studien zeigen, dass organisierte Gruppen bevorzugt Produkte klauen, die sich leicht weiterverkaufen lassen – etwa Alkohol, Tabak, Markenkaffee, Kosmetik und zunehmend teurere Lebensmittel.
  3. Preissteigerungen bei Grundnahrungsmitteln
    Während früher vor allem Luxus- oder Genussartikel gesichert wurden, geraten durch steigende Preise auch „Alltagsprodukte“ wie Fleisch, Butter oder Käse in den Fokus. Medienberichte aus verschiedenen Ländern zeigen, dass mittlerweile sogar Käse, Butter und Babynahrung mit Sicherungsetiketten ausgestattet werden.
  4. Risiko „Selbstbedienung“ in der Kühltheke
    Kühlregale sind in der Regel offen zugänglich. Im Gegensatz zu verschlossenen Vitrinen ist die Hemmschwelle geringer, schnell ein Produkt „verschwinden“ zu lassen. Deshalb versuchen Händler, genau hier zusätzliche Hürden einzubauen.

Fleisch und Fisch sind also nicht zufällig betroffen, sondern gehören rein wirtschaftlich betrachtet zu den sensiblen Produkten mit hohem Verlustpotenzial.

Welche Sicherungssysteme setzen Supermärkte ein?

Lidl ist mit seinen Aufklebern nur ein Beispiel in einem größeren Sicherheits-Puzzle. Im Einzelhandel kommen unterschiedliche Formen der Warensicherung zum Einsatz – vom Klebeetikett bis zur Glasvitrine.

Klebeetiketten (RF/AM)

  • Dünne, oft kaum sichtbare Etiketten mit integriertem Funk- oder Magnetchip
  • Werden direkt auf die Verpackung geklebt (z. B. auf Fleischschalen, Kaffee, Babymilch, Kosmetik)
  • Vorteil: günstig, schnell anzubringen, leicht wieder deaktivierbar
  • Nachteil: können beschädigt werden, manchmal versehentlich im Ofen oder in der Mikrowelle, wenn der Hinweis übersehen wird

Hartetiketten & Sicherungsschellen

  • Kennst du sicher von Kleidung (diese harten Plastikklötze an Jeans oder Jacken)
  • Werden mit einer Nadel oder Klammer befestigt und nur mit Spezialgerät entfernt
  • Im Lebensmittelbereich eher bei höherpreisigen Wein- oder Spirituosenflaschen üblich
  • Vorteil: sehr abschreckend, schwer zu entfernen
  • Nachteil: nur bedingt für Frischware geeignet, mehr Aufwand an der Kasse

Boxen, Safes & Vitrinen

  • Plastikboxen oder Acryl-Safes, in denen Produkte wie Rasierklingen, Parfums oder teure Alkoholika stecken
  • Teilweise mit integriertem Alarm, der beim Versuch des Aufbrechens losgeht
  • Oder klassische Glasvitrinen, die nur vom Personal geöffnet werden können
  • Vorteil: starker Schutz, geeignet für sehr teure Artikel
  • Nachteil: weniger komfortabel, Kunden müssen immer Mitarbeitende bitten

Videoüberwachung, Ladenlayout und Detektive

Neben der technischen Warensicherung gibt es weitere Bausteine:

  • Kameras im Eingangsbereich, in Gängen und an Kassen
  • Offene, übersichtliche Ladenlayouts ohne „blinde Ecken“
  • Zivil gekleidete Ladendetektive, die auffälliges Verhalten beobachten
  • Schulungen für Mitarbeitende, um verdächtige Situationen zu erkennen

Die Diebstahlsicherung auf Fleisch und Fisch ist also nur ein Teil einer ganzen Palette von Maßnahmen, die Supermärkte inzwischen einsetzen.

Lidl im Vergleich: Wie machen es Aldi, Rewe & Co.?

Lidl steht momentan oft im Fokus, weil Bilder von gesicherten Fleisch- und Butterprodukten sehr schnell in sozialen Netzwerken landen. Aber der Discounter ist nicht allein.

Berichte aus den letzten Jahren zeigen:

  • Netto und Edeka sichern in manchen Filialen Marken-Kaffee, Honig und Bio-Fleisch mit Etiketten und Sicherungsboxen.
  • Andere Discounter nutzen Warensicherung teilweise bei Öl-Flaschen, Babymilch oder Süßwaren im Hochpreissegment.
  • Lidl selbst sichert nicht nur Fleisch und Fisch, sondern je nach Filiale auch Butter, Nüsse oder Snacks mit denselben RF-Etiketten.

Dabei ist wichtig: Es gibt keinen deutschlandweit einheitlichen Standard. Vieles hängt ab von:

  • regionalen Diebstahlszahlen,
  • Lage der Filiale (Stadt, Vorort, ländliche Region),
  • Erfahrungswerten des jeweiligen Filialteams.

Aus Kundensicht kann das verwirrend sein: In einer Filiale liegt das Hackfleisch frei, in der anderen klebt ein Alarm-Aufkleber darauf. Für den Handel ist genau diese Flexibilität aber attraktiv, weil man so dort aufrüsten kann, wo es wirklich nötig ist.

Zeitachse: Wie sich Diebstahlsicherungen im Supermarkt verändert haben

Um besser einzuordnen, warum heute sogar Fleisch und Butter gesichert werden, hilft ein Blick auf die Entwicklung der letzten Jahre.

ZeitraumEntwicklung im HandelBeispiele aus der Praxis*
Vor 2010Warensicherung vor allem bei Textilien, Elektronik, ParfumSicherungsetiketten an Kleidung, Rasierklingen, Parfums
2010–2019Ausweitung auf hochpreisige Spirituosen & TabakFlaschensicherungen bei Whisky, verschlossene Zigaretten-Fächer
2020–2021Pandemie, teils weniger Kunden, aber organisierte Banden aktivFokus eher auf Technik und Markenwaren
2022Erste Berichte über gesicherte Lebensmittel wie Fleisch, Butter, Käse in Deutschland, der Schweiz und UKLidl testet Diebstahlsicherung auf Frischfleisch; Butter und Käse mit Etiketten in verschiedenen Ländern
2023Laut Kriminalstatistik und EHI deutlicher Sprung bei Ladendiebstählen (+23,6 % angezeigte Fälle)Handel registriert verstärkt Klau bei Grundnahrungsmitteln
ab 2024Diskussion über massiv gestiegene Inventurdifferenzen, Tests mit mehr Warensicherung auch in EinkaufszentrenHändler experimentieren mit zusätzlichen Sicherungsmaßnahmen und verstärkter Security

*Beispiele zusammengefasst und vereinfacht aus verschiedenen Medien- und Branchenberichten.

Die Sicherung an Fleisch und Fisch ist also nicht der Startpunkt, sondern eher ein sichtbarer Höhepunkt einer Entwicklung, die schon seit Jahren im Hintergrund läuft.

Vor- und Nachteile der Diebstahlsicherung – aus Sicht von Handel und Kundschaft

Damit du die Diskussion einordnen kannst, lohnt sich ein Blick auf beide Seiten.

Vorteile für den Handel

  • Weniger Verluste durch Diebstahl
    Jeder verhinderte Diebstahl schützt Umsatz und Marge – gerade bei Artikeln mit hohen Einkaufspreisen.
  • Abschreckungseffekt
    Schon der sichtbare Sticker kann potenzielle Langfinger davon abhalten, überhaupt zuzugreifen.
  • Bessere Kalkulation
    Wenn weniger Ware „verschwindet“, muss der Händler theoretisch weniger Sicherheitszuschlag in die Verkaufspreise einrechnen.

Nachteile und Kritikpunkte

  • Misstrauensgefühl bei ehrlichen Kundinnen und Kunden
    Viele empfinden es als unangenehm, wenn selbst günstiges Hackfleisch oder Butter wie Luxusgüter behandelt werden.
  • Mehr Aufwand im Alltag
    Personal muss Etiketten aktivieren/deaktivieren, Schulungen sind nötig, Systeme müssen gewartet werden.
  • Fehlalarme
    Nichts nervt mehr, als wenn der Alarm piept, obwohl man korrekt bezahlt hat. Das ist peinlich und kostet Zeit.
  • Kosten für Technik
    Auch wenn Etiketten pro Stück nur ein paar Cent kosten, summiert sich das bei Millionen Produkten.

Der Handel argumentiert oft: Ohne Sicherung wären die Verluste so hoch, dass am Ende alle Kunden über höhere Preise zahlen. Kritiker halten dagegen: Mehr soziale Unterstützung und faire Preise wären langfristig sinnvoller, als immer strengere Sicherungssysteme.

Was bedeutet das für dich als Kundin oder Kunde?

Im Alltag musst du wegen der Diebstahlsicherung bei Lidl nicht viel anders machen – ein paar Punkte sind trotzdem hilfreich.

1. Beim Einkauf

  • Lass dich von Stickern wie „Gesicherter Artikel“ nicht verunsichern – du kannst das Produkt ganz normal in den Wagen legen.
  • Wenn du viele solcher Artikel kaufst, kann der Kassenvorgang einen Tick länger dauern, weil die Etiketten sauber erfasst und deaktiviert werden müssen.
  • Achte darauf, dass Packungen nicht beschädigt sind; wenn der Sticker halb abgerissen ist, sprich lieber kurz das Personal an.

2. Wenn der Alarm am Ausgang losgeht

Das kann selbst dann passieren, wenn du alles korrekt bezahlt hast – zum Beispiel, wenn ein Etikett nicht richtig deaktiviert wurde.

  • Bleib ruhig stehen, dreh nicht einfach genervt um.
  • Zeig freundlich deinen Kassenzettel.
  • In der Regel kontrolliert das Personal kurz den Einkauf, deaktiviert das „übrig gebliebene“ Etikett oder lässt dich weitergehen.

Je entspannter du reagierst, desto schneller ist die Sache erledigt.

3. Zuhause: Etikett wirklich entfernen

Gerade bei Fleisch und Fisch steht der Hinweis häufig direkt auf dem Aufkleber: „Etikett vor dem Erhitzen entfernen“.

  • Zieh den Sticker vor dem Kochen konsequent ab.
  • Kleb ihn – falls du magst – auf die Folie, bevor du sie entsorgst, dann siehst du sofort, dass du nichts im Topf oder Ofen vergessen hast.

Elektronische Etiketten sind zwar normalerweise hitzebeständig genug, aber im Zweifel möchte niemand Funkchips im Essen haben.

Ist das gerecht? Kritik und Alternativen zur aktuellen Sicherungspraxis

Die Frage, ob die Sicherung von Fleisch und Fisch „übertrieben“ ist, sorgt immer wieder für Diskussionen.

Kritikpunkte von Verbrauchern und sozialen Verbänden

  • Stigmatisierung: Wenn Grundnahrungsmittel gesichert werden, wirkt das, als traue der Handel seinen Kunden generell nicht mehr.
  • Armutsdebatte: Organisationen weisen darauf hin, dass steigende Preise Menschen mit sehr wenig Geld besonders hart treffen. Wer stehlen muss, ist oft eher Verzweiflungstäter als Profi-Bande.
  • Datenschutz- und Wohlfühlaspekt: Mehr Kameras, mehr Sicherungen – manche empfinden das als Schritt in Richtung „Überwachung statt Einkaufserlebnis“.

Welche Alternativen gibt es?

Diebstahlsicherung vollständig abzuschaffen, ist aus Sicht des Handels kaum realistisch. Trotzdem gibt es Ansätze, die Technik mit anderen Maßnahmen zu kombinieren:

  • Mehr Präsenz von geschultem Personal
    Sichtbare Mitarbeitende in den Gängen senken nachweislich die Diebstahlquote und verbessern gleichzeitig den Service.
  • Clevere Regalgestaltung
    Teure Artikel werden bewusst in Sichtweite der Kasse oder in gut einsehbaren Zonen platziert.
  • Soziale Maßnahmen
    Kooperationen mit Tafeln, vergünstigte Restposten, „Too good to go“-Boxen – sie können den Druck verringern, aus Not zu stehlen.
  • Transparente Kommunikation
    Ein kurzer Hinweis wie „Dieser Artikel ist gesichert, weil er besonders häufig gestohlen wird“ wirkt ehrlicher, als kommentarlos überall Alarmaufkleber zu kleben.

Ganz ohne Warensicherung wird es auf absehbare Zeit nicht gehen. Aber die Art, wie sie umgesetzt wird, lässt sich durchaus kundenfreundlicher gestalten.

Ratgeber-Perspektive: Welche Diebstahlschutz-Lösungen passen zu welchem Markt?

Wenn man das Thema einmal aus Sicht eines Händlers betrachtet, wirkt die Auswahl an Produkten und Dienstleistungen im Bereich Warensicherung fast wie ein eigener Markt.

Einstiegslösungen für kleinere Märkte

Für kleine Filialen oder Einzelhändler bieten sich vor allem einfache RF-/AM-Klebeetiketten an:

  • niedrige Stückkosten,
  • relativ einfache Installation der Antennen,
  • schnelle Schulbarkeit des Personals.

Sinnvoll sind sie vor allem für:

  • Fleisch, Fisch und Käse im mittleren Preissegment,
  • Kaffee, Honig, Babynahrung,
  • Drogerie- und Kosmetikartikel mit höherem Warenwert.

Erweiterte Lösungen für stark gefährdete Standorte

In Lagen mit sehr hoher Diebstahlquote lohnt sich oft eine Kombination aus:

  • Hartetiketten für Textilien und Non-Food,
  • Sicherungsboxen für sehr teure Produkte (z. B. Marken-Spirituosen, Premium-Kaffee),
  • zusätzlicher Videoüberwachung an den neuralgischen Punkten.

Dazu kommen Dienstleistungen wie:

  • externe Sicherheitsfirmen,
  • Schulungen durch spezialisierte Anbieter,
  • Beratung, welche Warengruppen sich besonders für Sicherungsmaßnahmen eignen.

Premium-Sicherheitskonzepte

Große Ketten oder Einkaufszentren investieren teilweise in:

  • intelligente Warensicherungssysteme, die mit Kassendaten verknüpft werden,
  • analytische Auswertung, welche Produkte besonders oft fehlen,
  • kombinierte Lösungen aus Technik, Personal und Ladenbau.

Dadurch kann die Sicherung zielgerichtet und flexibel angepasst werden – zum Beispiel, wenn Fleisch in einer Region stark betroffen ist, in einer anderen aber eher Spirituosen oder Kosmetik.

Für dich als Kundin oder Kunde ist das alles im Hintergrund kaum sichtbar – außer eben durch Aufkleber, Boxen oder Vitrinen, die irgendwann am Regal auftauchen.

Rechtlicher Rahmen: Was ist eigentlich Ladendiebstahl?

Damit klar ist, worüber wir sprechen, lohnt ein kurzer Blick ins Recht – ganz ohne Paragrafen-Dschungel.

  • Ladendiebstahl ist juristisch gesehen „nur“ eine Form des Diebstahls, also das Wegnehmen fremder beweglicher Sachen, um sie sich rechtswidrig zuzueignen. In Deutschland ist das in § 242 StGB geregelt.
  • Die Strafe kann – je nach Schwere – von einer Geldstrafe bis zu mehreren Jahren Freiheitsstrafe reichen.
  • Händler können zusätzlich Hausverbote aussprechen oder zivilrechtlich Schadensersatz verlangen.

Wenn Produkte durch eine Sicherung besonders geschützt sind (z. B. verschlossene Vitrinen oder Boxen), kann ein Diebstahl daraus im Extremfall sogar als „schwerer Diebstahl“ gewertet werden.

Mehr zu den rechtlichen Grundlagen rund um Diebstahl findest du bei Wikipedia zum Thema Diebstahl.

FAQ zur Diebstahlsicherung bei Lidl und an Lebensmitteln

Sichert Lidl jetzt alles ab?

Nein. Nach aktuellen Berichten werden vor allem hochw­ertige oder besonders diebstahlsgefährdete Artikel gesichert. Welche Produkte das sind, entscheidet oft die einzelne Filiale – je nach bisherigen Erfahrungen.

Seit wann gibt es die Diebstahlsicherung bei Lidl für Fleisch und Fisch?

Die ersten größeren Medienberichte über gesicherte Fleischprodukte bei Lidl stammen aus dem Jahr 2022. Damals wurden in einigen Filialen etwa Hackfleisch, Hähnchenschenkel und Rindergulasch mit Diebstahlsperren versehen. In der Schweiz wurden ähnliche Tests mit Frischfleisch durchgeführt.Merkur+1

Warum steht auf manchen Stickern „Etikett vor dem Erhitzen entfernen“?

Weil in den Aufklebern eine kleine Elektronik steckt. Sie ist zwar normalerweise sicher verpackt, soll aber natürlich nicht mit ins heiße Essen wandern. Deshalb solltest du den Sticker vor dem Kochen, Backen oder Braten konsequent abziehen.

Kann ich gesicherte Ware problemlos umtauschen?

Ja, sofern du den Kassenbon hast und die üblichen Umtausch- oder Reklamationsregeln des Marktes gelten. Die Sicherung selbst spielt dabei keine Rolle – sie dient nur dem Schutz vor Diebstahl.

Was passiert, wenn ich den Sticker versehentlich nicht an der Kasse deaktivieren lasse?

Dann kann es sein, dass der Alarm beim Verlassen des Marktes ausgelöst wird. In so einem Fall wird das Personal in der Regel ruhig nach dem Kassenbon fragen, die Ware prüfen und das Etikett nachträglich deaktivieren. Für dich hat das normalerweise keine weiteren Folgen, solange alles korrekt bezahlt wurde.

Dürfen Händler meine Taschen kontrollieren?

In Deutschland dürfen Mitarbeitende dich bitten, in deine Tasche zu schauen – du musst dem aber nicht zustimmen. Nur die Polizei darf eine richtige Durchsuchung vornehmen. In der Praxis eskalieren seriöse Händler unklare Situationen möglichst selten und ziehen bei Verdacht die Polizei hinzu.

Überwacht mich die Diebstahlsicherung auch zuhause?

Nein. RF- oder andere elektronische Etiketten sind nicht mit deinem Namen oder Konto verbunden. Sie dienen ausschließlich dazu, im Zusammenspiel mit den Antennen am Ausgang einen Alarm auszulösen, wenn gesicherte Ware den Laden verlässt, ohne korrekt kassiert worden zu sein.

Wo kann ich mich allgemein über Lidl als Unternehmen informieren?

Wenn du mehr über das Unternehmen, die Filialstruktur oder die Geschichte erfahren möchtest, lohnt ein Blick auf den Eintrag Lidl bei Wikipedia.

Fazit: Zwischen Schutz, Abschreckung und Vertrauen

Die gelben Aufkleber auf Fleisch, Fisch und anderen Produkten bei Lidl sind ein sichtbares Zeichen dafür, wie sehr sich der Alltag im Supermarkt verändert hat.

Einerseits kämpfen Händler mit steigenden Diebstahlszahlen und Milliardenverlusten – und versuchen mit Warensicherungssystemen gegenzusteuern. Andererseits fühlen sich viele Kundinnen und Kunden durch die massive Sicherung von Grundnahrungsmitteln vor den Kopf gestoßen.

Für dich bedeutet das vor allem:

  • Du kannst gesicherte Produkte ganz normal kaufen und nutzen.
  • Ein Alarm am Ausgang ist nicht automatisch ein Vorwurf, sondern oft nur ein technisches Versehen.

Solange die Diebstahlsicherung bei Lidl & Co. eher gezielt und nachvollziehbar eingesetzt wird, lässt sich damit leben. Kritisch wird es erst, wenn aus dem normalen Einkaufserlebnis das Gefühl wird, ständig unter Generalverdacht zu stehen.

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