Der Verband Die Familienunternehmer sorgt im November 2025 für heftige Debatten in der deutschen Wirtschaft. Mit der Aufhebung des Kontaktverbots zur AfD hat der Lobbyverband einen Kurswechsel vollzogen, der sowohl Unterstützung als auch scharfe Kritik hervorruft. Mehrere namhafte Mitgliedsunternehmen haben bereits Konsequenzen gezogen.
Am 8. Oktober 2025 fand der Parlamentarische Abend des Verbands Die Familienunternehmer in der Berliner Repräsentanz der Deutschen Bank Unter den Linden statt. Erstmals nahm dabei auch ein AfD-Vertreter teil: Leif-Erik Holm, wirtschaftspolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion. Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermann bestätigte gegenüber dem Handelsblatt, dass das bisherige Kontaktverbot zu AfD-Bundestagsabgeordneten damit aufgehoben worden sei.
Hauptgeschäftsführer Albrecht von der Hagen begründete den Schritt gegenüber The Pionier deutlich: Die Brandmauer zur AfD habe nichts gebracht. Er kündigte an, der Verband verabschiede sich von den Brandmauern. Gleichzeitig kritisierte er das Programm der AfD scharf und bezeichnete Teile davon als eine schiere Katastrophe.
Die Reaktionen auf den Kurswechsel folgten prompt. Am 26. November 2025 kündigten mehrere namhafte Unternehmen ihre Mitgliedschaft:
| Unternehmen | Reaktion |
| Rossmann | Mitgliedschaft gekündigt |
| Vorwerk | Ruhende Mitgliedschaft formal beendet |
| Harald Christ | Austritt bereits vor Wochen |
| Melitta-Gruppe | Erwägt Austritt, sehr überrascht |
| Deutsche Bank | Mietvertrag für künftige Veranstaltungen gekündigt |
Die Drogeriemarktkette Rossmann begründete ihren Austritt knapp: Wir unterstützen die Haltung des Verbands Die Familienunternehmer nicht. Vorwerk distanzierte sich ebenfalls und betonte, die Positionierung von Unternehmen müsse jederzeit klar auf demokratischen Grundwerten basieren.
Marie-Christine Ostermann (47) führt den Verband Die Familienunternehmer seit April 2023 als erste Präsidentin in der 74-jaehrigen Geschichte der Organisation. Im Juni 2025 wurde sie für weitere zwei Jahre im Amt bestätigt.
Hauptberuflich leitet sie als geschäftsführende Gesellschafterin den Lebensmittelgrosshändler Rullko Grosseinkauf GmbH & Co. KG in Hamm. Das 1923 gegründete Familienunternehmen führt sie in vierter Generation. Es beschäftigt rund 240 Mitarbeiter und beliefert Grossküchen der Gemeinschaftsverpflegung und Gastronomie.
Ostermann absolvierte ihr Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen. Von 2009 bis 2012 war sie Bundesvorsitzende des Verbands Die Jungen Unternehmer. Sie ist Mitglied der FDP, wobei ihre Parteimitgliedschaft seit der Wahl zur Verbandspräsidentin ruht.
Ostermann erklärte die Strategie: Empörung allein hat sich als politische Strategie erschöpft. Das Überbieten mit immer heftigeren Antifa-Parolen habe nichts gebracht. Die Hoffnung, ein Viertel der bundesdeutschen Wähler durch moralische Ausgrenzung zur Umkehr zu bewegen, sei nicht aufgegangen.
Der Verband will die AfD nun inhaltlich stellen. Ostermann betonte, man wolle zeigen, dass AfD-Politiker häufig inhaltlich blank oder widersprüchlich seien. Gleichzeitig stellte sie klar: Wir Familienunternehmer wollen keine Regierung mit AfD-Beteiligung.
Hauptgeschäftsführer von der Hagen kritisierte das AfD-Programm scharf. Die Sozial- und Familienpolitik der Partei ziele darauf ab, Frauen aus der Arbeitswelt zu verdrängen. Auch das geforderte Rentenniveau von 70 Prozent sei nicht umsetzbar. Der Verband vertritt nach eigenen Angaben rund 6.500 Familienunternehmen in Deutschland. Weitere Informationen bietet die offizielle Verbandswebseite
Die Reaktionen aus der Politik fielen deutlich aus:
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hält an seiner kritischen Haltung zur AfD fest. Der Erfolg der deutschen Industrie basiere auf stabilen gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, welche die AfD mit ihren populistischen Positionen zu erschüttern versuche.
Die Debatte greift auf weitere Verbände über. Der Bundesverband Mittelständische Wirtschaft (BVMW) erwägt ebenfalls einen Positionswechsel. Bundesgeschäftsführer Christoph Ahlhaus verwies auf die hohen Umfragewerte der AfD: Diese sprechen derzeit nicht dafür, dass die Strategie der Brandmauer erfolgreich funktioniert habe.
Die Stiftung Familienunternehmen hält dagegen an ihrer Abgrenzung zu extremen Parteien fest. Weder AfD- noch Linke-Vertreter würden zu Veranstaltungen eingeladen. Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks zeigt sich offen für Dialog, will aber nicht aktiv auf die AfD zugehen.
Die Familienunternehmer ist ein 1949 gegründeter Wirtschaftsverband mit Sitz in Berlin. Er vertritt rund 6.500 inhabergeführte Unternehmen in Deutschland und nimmt für sich in Anspruch, 180.000 Familienunternehmen aller Branchen und Unternehmensgrössen zu repräsentieren.
Die Brandmauer bezeichnet die Strategie, jegliche Zusammenarbeit oder offizielle Kontakte mit der AfD zu verweigern. In der Wirtschaft bedeutete dies, AfD-Vertreter nicht zu Veranstaltungen einzuladen und keinen politischen Dialog zu führen.
Die Deutsche Bank hatte nach Bekanntwerden der AfD-Einladung den bestehenden Mietvertrag für künftige Veranstaltungen des Verbands in ihrer Berliner Repräsentanz storniert. Die Bank erklärte, sie habe keine Kenntnis von der Gästeliste gehabt. Die Entscheidung der Familienunternehmer könne negativ auf die Bank zurückfallen.
Nein. Präsidentin Ostermann stellte klar: Wir Familienunternehmer wollen keine Regierung mit AfD-Beteiligung. Das Weltbild der AfD passe nicht zur freiheitlichen und marktwirtschaftlichen Grundüberzeugung des Verbands. Es gehe nur darum, die Partei inhaltlich zu stellen.
Zu den Mitgliedern gehören unter anderem Deichmann, Henkel, Kärcher, Miele, Viessmann, Thalia und Villeroy & Boch. Die genaue Mitgliederliste wird nicht vollständig veröffentlicht.
Am 2. Mai 2025 stufte der deutsche Verfassungsschutz die AfD als gesichert rechtsextremistische Organisation ein. Zuvor galt sie als Verdachtsfall. Die Partei erreicht in bundesweiten Umfragen Werte zwischen 25 und 27 Prozent.
AfD-Chefin Alice Weidel begrüsste das Vorgehen als ersten Schritt in die richtige Richtung. Das hätte deutlich früher passieren müssen von der Industrie im Allgemeinen. Sie selbst suche den Kontakt zu Unternehmen schon seit Jahren auf informeller Art und Weise.
Die Entscheidung des Verbands Die Familienunternehmer, die Brandmauer zur AfD aufzuheben, hat eine heftige Debatte in der deutschen Wirtschaft ausgelöst. Während einige Mitglieder wie Rossmann und Vorwerk mit Austritten reagieren, halten andere den Kurswechsel für überfällig. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob weitere Unternehmen folgen – entweder mit Austritten oder mit ähnlichen Positionswechseln. Die Debatte um den Umgang der Wirtschaft mit der AfD dürfte die Bundesrepublik noch länger beschäftigen.
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