Lesezeit: 6 Minuten | Letzte Aktualisierung: 21.01.2026
Mercosur-Abkommen gestoppt: Das EU-Parlament hat am 21. Januar 2026 mit knapper Mehrheit (334:324) beschlossen, das Mercosur-Freihandelsabkommen vom Europäischen Gerichtshof prüfen zu lassen. Die Ratifizierung des erst am 17. Januar unterzeichneten Abkommens verzögert sich damit um bis zu zwei Jahre.
Das Wichtigste in Kürze
Das EU-Parlament hat das Mercosur-Abkommen am 21. Januar 2026 mit einer knappen Mehrheit dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) zur Prüfung vorgelegt. Damit steht das nach 25 Jahren Verhandlung unterzeichnete Freihandelsabkommen vor einer erheblichen Verzögerung. Tausende Bauern feierten die Entscheidung vor dem Parlamentsgebäude in Straßburg.
Die Abstimmung am Mittwoch in Straßburg fiel denkbar knapp aus:
| Stimme | Anzahl | Anteil |
|---|---|---|
| Ja (für EuGH-Prüfung) | 334 | 49,9% |
| Nein (gegen EuGH-Prüfung) | 324 | 48,4% |
| Enthaltungen | 11 | 1,6% |
Der Antrag auf EuGH-Prüfung wurde hauptsächlich von Abgeordneten der Linken und Grünen eingereicht. Doch auch Teile der christdemokratischen EVP, der liberalen Renew und der sozialdemokratischen S&D stimmten dafür – vor allem Abgeordnete aus Frankreich und Polen.
Die Kritiker führen mehrere Hauptargumente ins Feld:
| Kritikpunkt | Erklärung |
|---|---|
| Umgehung nationaler Parlamente | Das Abkommen wurde in zwei Teile gespalten. Der Handelsteil bedarf nur der Zustimmung des EU-Parlaments, nicht der nationalen Parlamente. |
| Ausgleichsmechanismus | Mercosur-Staaten könnten Entschädigungen verlangen, falls künftige EU-Gesetze ihre Exporte einschränken. |
| EU-Standards gefährdet | Befürchtung: Absenkung von Verbraucherschutz-, Umwelt- und Tierschutz-Standards. |
| Billige Agrarimporte | Landwirte befürchten Konkurrenz durch günstigeres Rindfleisch und andere Agrarprodukte aus Südamerika. |
Der Europäische Gerichtshof wird nun prüfen, ob das Mercosur-Abkommen mit den EU-Verträgen vereinbar ist. Die Konsequenzen:
⚠️ Präzedenzfälle: Mercosur ist nicht das erste Abkommen vor dem EuGH. Auch die Abkommen mit Singapur und Kanada (CETA) wurden geprüft. Das CETA-Gutachten dauerte über zwei Jahre.
Merz kritisierte die Entscheidung scharf und forderte die vorläufige Anwendung des Abkommens:
“Die Entscheidung des Europäischen Parlaments zum Mercosur-Abkommen ist bedauerlich. Sie verkennt die geopolitische Lage. Von der Rechtmäßigkeit des Abkommens sind wir überzeugt. Keine weiteren Verzögerungen mehr. Das Abkommen muss jetzt vorläufig angewandt werden.”
— Friedrich Merz auf X, 21.01.2026
“Europa schadet sich damit selbst”, sagte Müller. “Gerade in dieser geopolitisch angespannten Zeit ist das Mercosur-Abkommen ein starkes Signal für mehr Sicherheit.” Es brauche mehr statt weniger Freihandel.
Der SPD-Politiker hatte vor der Abstimmung gewarnt, dass ein Gang zum EuGH ironischerweise die vorläufige Anwendung des Abkommens beschleunigen könnte.
Am Tag vor der Abstimmung kam es zu Massenprotesten vor dem EU-Parlament:
Der europäische Bauernverband COPA hatte zu den Protesten aufgerufen. Die Landwirte befürchten unfaire Konkurrenz durch billige Fleischimporte aus Südamerika, die ohne die strengen EU-Standards für Tierschutz, Umwelt und Pestizide produziert werden.
Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten (Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay) wurde am 17. Januar 2026 nach über 25 Jahren Verhandlung unterzeichnet. Es würde die größte Freihandelszone der Welt schaffen.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Verbraucher | Über 700 Millionen Menschen |
| Handelsvolumen EU-Mercosur | 111 Milliarden Euro (2024) |
| Prognostizierter Exportanstieg EU | +39% (~49 Mrd. Euro jährlich) |
| Zolleinsparungen für EU-Exporteure | Über 4 Milliarden Euro jährlich |
| Arbeitsplätze (abhängig vom Handel) | 600.000 in der EU |
| Verhandlungsdauer | Über 25 Jahre (seit 1999) |
Das Mercosur-Abkommen besteht aus zwei separaten Verträgen:
📊 Chronologie: Am 6. Dezember 2024 wurde die Einigung erzielt, am 9. Januar 2026 stimmte der EU-Rat zu, am 17. Januar folgte die Unterzeichnung in Paraguay, am 21. Januar stimmte das EU-Parlament für die EuGH-Prüfung.
Mehrere EU-Mitgliedstaaten haben das Abkommen abgelehnt oder kritisiert:
| Land | Position |
|---|---|
| Frankreich | Starke Ablehnung, Bauernproteste, Regierung unter Lecornu dagegen |
| Polen | Kritisch, Abgeordnete stimmten für EuGH-Prüfung |
| Italien | Zunächst Sperrminorität, nach Zugeständnissen zugestimmt |
| Österreich | Parlamentsbeschluss von 2019 bindet an Veto |
| Belgien | Kritisch gegenüber dem Abkommen |
Das EU-Parlament hat am 21. Januar 2026 mit 334 zu 324 Stimmen beschlossen, das Mercosur-Abkommen dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) zur Prüfung vorzulegen. Die Ratifizierung ist damit vorerst gestoppt.
EuGH-Gutachten zu Handelsabkommen dauern erfahrungsgemäß 16 bis 26 Monate. Das Gutachten zum CETA-Abkommen mit Kanada benötigte über zwei Jahre.
Theoretisch könnte die EU-Kommission das Abkommen vorläufig anwenden. Sie hat jedoch zugesichert, davon abzusehen, solange das EuGH-Gutachten aussteht. Kanzler Merz fordert trotzdem die vorläufige Anwendung.
Europäische Landwirte befürchten unfaire Konkurrenz durch billige Agrarprodukte aus Südamerika, insbesondere Rindfleisch. Diese Produkte werden oft ohne die strengen EU-Standards für Tierschutz, Umwelt und Pestizide hergestellt.
Der Mercosur-Staatenbund besteht aus Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Bolivien befindet sich im Beitrittsprozess. Zusammen repräsentieren diese Länder einen Markt von über 260 Millionen Menschen.
Das EU-Parlament hat das Mercosur-Abkommen mit der EuGH-Prüfung vorerst auf Eis gelegt. Nach 25 Jahren Verhandlung und nur vier Tage nach der Unterzeichnung steht das größte Freihandelsabkommen der Welt vor einer weiteren erheblichen Verzögerung.
Die knappe Abstimmung (334:324) zeigt die tiefe Spaltung: Während die deutsche Wirtschaft und Kanzler Merz dringend auf das Abkommen drängen, fürchten Landwirte und Umweltschützer um EU-Standards. Die Entscheidung des EuGH wird frühestens 2027 oder 2028 erwartet – bis dahin bleibt das Schicksal des Mercosur-Deals ungewiss.
✍️ Quellen
Europäisches Parlament (europarl.europa.eu), EU-Rat (consilium.europa.eu), EU-Kommission, ZDF heute, t-online, Euronews, taz, ORF, Bundesregierung (bundesregierung.de), Bayerischer Bauernverband
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