CSG Börsengang: Größter Rüstungs-IPO startet heute in Amsterdam
Lesezeit: 6 Minuten | Letzte Aktualisierung: 23.01.2026
CSG Börsengang: Der tschechische Rüstungskonzern Czechoslovak Group (CSG) geht heute, am 23. Januar 2026, an die Börse in Amsterdam. Mit einer angestrebten Bewertung von 25 Milliarden Euro handelt es sich um den größten Börsengang der Rüstungsindustrie weltweit. Der 33-jährige Eigentümer Michal Strnad will Aktien im Wert von bis zu 3,8 Milliarden Euro platzieren.
Das Wichtigste in Kürze
- Börsengang: 23. Januar 2026 an der Euronext Amsterdam
- Bewertung: 25 Milliarden Euro (höher als Renk + Hensoldt zusammen)
- Emissionsvolumen: Bis zu 3,8 Milliarden Euro
- Aktienpreis: 25 Euro pro Aktie
- Streubesitz: Bis zu 15,2 Prozent
- Eigentümer: Michal Strnad (33) behält rund 85 Prozent
Der CSG Börsengang markiert einen historischen Moment für die europäische Rüstungsindustrie. Die Czechoslovak Group ist einer der am schnellsten wachsenden Rüstungskonzerne weltweit und profitiert massiv von der gestiegenen Nachfrage seit dem russischen Angriff auf die Ukraine. Das Unternehmen produziert Munition, gepanzerte Fahrzeuge und Radarsysteme – und hat bereits Zusagen von Großinvestoren über 900 Millionen Euro erhalten.
CSG Börsengang: Die wichtigsten Eckdaten
Der Börsengang der Czechoslovak Group ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich – nicht nur wegen seiner Größe, sondern auch wegen der Geschwindigkeit: Zwischen der Ankündigung am Dienstag und dem Handelsstart am Freitag lagen nur wenige Tage.
Die Emissionsbanken BNP Paribas, Jefferies, JPMorgan Chase und Unicredit begleiten den Börsengang. Es wäre der größte IPO in Amsterdam seit dem Jahr 2006.

Wer ist Michal Strnad?
Michal Strnad ist mit 33 Jahren einer der jüngsten Milliardäre Europas. Er übernahm 2018 alle Anteile und die Geschäftsführung von seinem Vater Jaroslav Strnad, der das Unternehmen 2014 unter dem Namen Excalibur Group gegründet hatte.
Unter Michals Führung hat sich CSG von einem regional fokussierten Konzern zu einem globalen Player entwickelt. Das Unternehmen beschäftigt heute über 14.000 Mitarbeiter in Tschechien, der Slowakei, Italien, Spanien, Großbritannien, Indien, Serbien und den USA.
💬 Michal Strnad zum Börsengang
“Die Gruppe wird von einem sich beschleunigenden Trend zu weltweit steigenden Verteidigungsausgaben profitieren.”
— Michal Strnad, CEO und Eigentümer CSG
Nach dem Börsengang wird Strnad noch rund 85 Prozent der Anteile halten. Ihm fließen netto knapp drei Milliarden Euro aus dem Verkauf von Bestandsaktien zu.

Was produziert die Czechoslovak Group?
CSG ist ein breit aufgestellter Industrie- und Rüstungskonzern mit einem vielfältigen Produktportfolio:
- Munition: Groß- und Kleinkaliber, Artilleriegranaten (155mm NATO-Standard)
- Gepanzerte Fahrzeuge: Pandur-II-Radpanzer (Lizenz von General Dynamics)
- Schwere Nutzfahrzeuge: Tatra Trucks (seit 2017 Mehrheitsbeteiligung)
- Radarsysteme: ELDIS-Radare, POLR-1 für Spezialeinheiten
- Drohnen: AviaNera Technologies (gegründet 2025)
- Selbstfahrende Haubitzen: Hochautomatisierte Artilleriesysteme
Zu den wichtigsten Tochtergesellschaften gehören:
- Excalibur Army: Militärfahrzeuge und Ausrüstung
- Tatra Trucks: Schwere Nutzfahrzeuge (gegründet 1850)
- Fiocchi Munizioni: Italienischer Munitionshersteller (70% seit 2022)
- Kinetic/Remington: US-Munitionshersteller (Übernahme 2024 für 2,2 Mrd. USD)
Geschäftszahlen und Prognosen
Das Geschäft von CSG boomt seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Das Unternehmen ist ein wichtiger Lieferant von Munition und militärischer Ausrüstung für die Ukraine.
Rund ein Viertel des Umsatzes stammt aus Lieferungen an die Ukraine. CSG gilt als Europas zweitgrößter Produzent von Mittel- und Großkaliber-Munition und kann jährlich etwa 80.000 bis 100.000 Artilleriegranaten des NATO-Standards 155mm herstellen.
Wer investiert in CSG?
Der Börsengang wird durch Cornerstone-Investoren mit Zusagen über 900 Millionen Euro abgesichert:
- Artisan Partners (US-Assetmanager)
- Blackrock (weltgrößter Vermögensverwalter)
- Al-Rayyan Holding (Tochter des Qatar Investment Authority)
Die Orderbücher waren laut Berichten bereits kurz nach Beginn der Zeichnung überzeichnet – die Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich.
✅ Starke Nachfrage
Die Orderbücher für das CSG-Angebot sind bereits gefüllt. Die Nachfrage übersteigt das Angebotsvolumen deutlich – ein Zeichen für das große Investoreninteresse an Rüstungsaktien.
CSG im Vergleich zu deutschen Rüstungskonzernen
Mit der angestrebten Bewertung von 25 Milliarden Euro wäre CSG auf einen Schlag mehr wert als die deutschen Rüstungsunternehmen Renk und Hensoldt zusammen.
Interessant: Im Board von CSG sitzt als Non-Executive-Director Susanne Wiegand, die ehemalige CEO des Panzergetriebeherstellers Renk.
Auswirkungen auf den Rüstungssektor
Der CSG-Börsengang wird als Test für die Marktstimmung im Rüstungssektor genau beobachtet. Ein erfolgreicher IPO könnte eine Welle weiterer Börsengänge auslösen:
- KNDS: Deutsch-französischer Panzerkonzern plant IPO mit 20 Mrd. Euro Bewertung (Frankfurt/Paris)
- Vincorion: Hamburger Rüstungsunternehmen plant IPO mit 1,5 Mrd. Euro Bewertung (Frankfurt)
Für bestehende Rüstungsaktien wie Renk bedeutet der neue Großkonkurrent zusätzlichen Wettbewerbsdruck. Die CSG-Bewertung wird zum Referenzpunkt für Investoren.
Kritische Stimmen zum CSG-Börsengang
Nicht alle Beobachter sind überzeugt:
- Erlösverteilung: Der Großteil des Geldes (knapp 3 Mrd. Euro) fließt an Eigentümer Strnad, nur 724 Mio. Euro bleiben im Unternehmen
- Hohe Schulden: CSG hat Nettoschulden von 3,59 Milliarden Euro
- Bewertung: Das EV/EBITDA-Multiple liegt mit 17,5x knapp über dem Branchendurchschnitt
- Abhängigkeit Ukraine: 25 Prozent des Umsatzes kommen aus der Ukraine
Häufig gestellte Fragen zum CSG Börsengang
Fazit
Der CSG Börsengang am 23. Januar 2026 ist der größte IPO der Rüstungsindustrie weltweit. Mit einer Bewertung von 25 Milliarden Euro und einem Emissionsvolumen von bis zu 3,8 Milliarden Euro setzt die Czechoslovak Group neue Maßstäbe. Das Unternehmen des 33-jährigen Michal Strnad profitiert massiv von der gestiegenen Nachfrage nach Rüstungsgütern seit dem Ukraine-Krieg.
Für Anleger bietet der Börsengang eine Chance, in einen der am schnellsten wachsenden Rüstungskonzerne einzusteigen. Die hohe Nachfrage der Investoren zeigt das große Interesse am Sektor. Kritiker verweisen allerdings auf die hohen Schulden und die Abhängigkeit von der Ukraine. Der Erfolg des CSG-Börsengangs wird als Stimmungstest für die gesamte Rüstungsbranche gewertet.
✍️ Quellen
dpa-AFX, Bloomberg, Reuters, Handelsblatt, Börsen-Zeitung, wallstreet:online, finanzen.net, GoingPublic, Wikipedia
