📖 Lesezeit: 7 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 2. Januar 2026
ADAC Kündigungswelle – zum Jahreswechsel 2025/2026 erlebt Europas größter Automobilclub einen massiven Vertrauensverlust. Der Auslöser: ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand sprach sich kurz vor Weihnachten in einem Interview für höhere Spritpreise aus. In den sozialen Medien folgte ein Shitstorm, tausende Mitglieder kündigten ihre Mitgliedschaft – nach 20, 30 oder sogar 40 Jahren.
Der ADAC bestätigt inzwischen eine „mittlere vierstellige Zahl” an eingegangenen Kündigungen. In den sozialen Netzwerken kursieren Fotos von Kündigungsschreiben, der Hashtag #ADAC trendet. Doch was genau hat Hillebrand gesagt – und warum reagieren die Mitglieder so heftig?
⚠️ Aktueller Stand: Der ADAC bemüht sich um Schadensbegrenzung und hat einen Brief an seine Mitglieder verschickt. Man sei „missverstanden” worden, heißt es darin.
Am 23. Dezember 2025 erschien ein Interview mit ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand in der Neuen Osnabrücker Zeitung. Seine Kernaussagen:
Für viele ADAC-Mitglieder klangen diese Aussagen wie ein Schlag ins Gesicht. Der Club, der eigentlich die Interessen von Autofahrern vertreten soll, fordert nun höhere Kosten für genau diese Autofahrer?
💡 Hintergrund: 90 Prozent der ADAC-Mitglieder fahren laut Bild-Zeitung Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Am gesamten Fahrzeugbestand in Deutschland machen E-Autos aktuell nur etwa 4 Prozent aus.
Die Reaktionen auf das Interview ließen nicht lange auf sich warten. Über Weihnachten und Neujahr entlud sich der Unmut in den sozialen Medien:
| Nutzer-Reaktion | Plattform |
|---|---|
| „Nach über 20 Jahren Mitgliedschaft trete ich aus! Hoffentlich folgen noch mehr!” | X (Twitter) |
| „Ich brauche mein Auto. Was ich nicht brauche, ist ein Verein, der Autofahrer vor den Bus stößt. Tschüss.” | X (Twitter) |
| „Meine Kündigung nach 43 Jahren Mitgliedschaft habe ich als letzte gute Tat im alten Jahr gestern rausgeschickt.” | X (Twitter) |
| „Beiße nie die Hand, die dich füttert.” | X (Twitter) |
Auch Politiker meldeten sich zu Wort. EU-Parlamentarier Volker Schnurrbusch (AfD) kritisierte: „Die Unterstützung eines zusätzlichen CO₂-Aufpreises auf Benzin und Diesel durch den ADAC ist ein Affront gegen Millionen Autofahrer und Pendler.”
Der ADAC versuchte schnell, die Wogen zu glätten. In einem Brief an die Mitglieder heißt es:
„Wir verstehen, dass die Berichterstattung zum Thema CO2‑Preis bei vielen Menschen Fragen und Sorgen ausgelöst hat. Hillebrands Aussagen seien in Teilen der Medienberichterstattung verkürzt wiedergegeben worden. Dadurch sei der Eindruck entstanden, der ADAC befürworte pauschale Kraftstoffverteuerungen. Dies entspricht nicht der Position des Clubs.”
Verkehrspräsident Hillebrand selbst präzisierte gegenüber der Funke-Mediengruppe: „Der ADAC ist nicht pauschal und losgelöst von anderen Maßnahmen für höhere Spritpreise.” Der CO2-Preis funktioniere nur, wenn es ausreichend Alternativen gebe.
Für viele Kritiker kommt diese Klarstellung zu spät – oder ist nicht überzeugend genug. Die Grundaussage, dass Sprit teurer werden müsse, bleibt bestehen.
Konkrete Zahlen sind schwer zu ermitteln. Der ADAC bestätigt offiziell eine „mittlere vierstellige Zahl” an Kündigungen. Das bedeutet mehrere tausend Austritte innerhalb weniger Tage.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| ADAC-Mitglieder gesamt | ca. 22 Millionen |
| Bestätigte Kündigungen | Mittlere vierstellige Zahl (3.000-7.000) |
| Anteil Verbrenner-Fahrer | ca. 90% |
| Jahresbeitrag ADAC Plus | 94 Euro |
In den sozialen Medien kursierte zwischenzeitlich die Behauptung, 15.000 Mitglieder seien ausgetreten. Diese Zahl ist nicht offiziell bestätigt. Die tatsächliche Zahl der Austrittsabsichten dürfte laut Beobachtern aber deutlich höher liegen als die bisher eingegangenen Kündigungen.
Wer seine ADAC-Mitgliedschaft beenden möchte, muss einige Punkte beachten:
Eine fristlose Kündigung ist möglich bei:
⚠️ Wichtig: Viele Mitglieder versuchen aktuell, die Forderung nach höheren Spritpreisen als außerordentlichen Kündigungsgrund geltend zu machen. Ob der ADAC diese Kündigungen akzeptiert, ist fraglich – ein Rechtsanspruch besteht hier nicht.
ADAC e.V.
Mitgliederservice
Hansastraße 19
80686 München
E-Mail: mitglied@adac.de
Wer den ADAC verlässt, steht nicht ohne Pannenhilfe da. Es gibt mehrere Alternativen mit vergleichbaren Leistungen – oft zu günstigeren Preisen:
| Anbieter | Jahresbeitrag | Besonderheiten |
|---|---|---|
| AvD (Automobilclub von Deutschland) | ab 39 € (Help) / 89 € (Help Plus) | Ältester dt. Autoclub, weltweiter Schutz, 1,5 Mio. Mitglieder |
| ACE (Auto Club Europa) | ab 82 € (Classic) | Familie inklusive, europaweiter Schutz im Basistarif |
| Mobil in Deutschland | ab 68 € (Premium) | Testsieger DISQ 2025, Petition gegen Verbrenner-Aus |
| ACV (Automobil-Club Verkehr) | ab 58 € (Comfort) | Günstig für Familien, Wohnmobile bis 7,5 t |
| ADAC Plus (zum Vergleich) | 94 € | Größte Flotte, umfangreichste Zusatzleistungen |
💡 Testsieger 2025: Das Deutsche Institut für Servicequalität (DISQ) bewertete „Mobil in Deutschland” mit 81,7 Punkten als einzigen Anbieter mit „sehr gut”. Der ADAC erreichte 74,4 Punkte.
Der Automobilclub „Mobil in Deutschland” nutzt die aktuelle Situation: Bis zum 6. Januar 2026 gibt es 50 Prozent Rabatt im ersten Jahr auf alle Mitgliedschaften. Der Club hat sich explizit gegen das Verbrenner-Aus positioniert und eine Petition dagegen gestartet.
Die Kündigungswelle ist mehr als nur eine Reaktion auf ein einzelnes Interview. Sie offenbart einen tieferen Konflikt:
Die Debatte fällt in eine Zeit, in der der CO2-Preis ohnehin umstritten ist. 2025 betrug er 55 Euro pro Tonne, 2026 liegt er zwischen 55 und 65 Euro (Emissionszertifikatshandel). Für viele Autofahrer bedeutet das bereits spürbar höhere Kosten an der Zapfsäule.
Die ADAC Kündigungswelle Anfang 2026 ist mehr als ein PR-Desaster – sie zeigt, wie schnell ein Mitgliederverein ins Rutschen kommt, wenn die Kernzielgruppe sich nicht mehr vertreten fühlt. Die Aussage zu höheren Spritpreisen hat viele Autofahrer hart getroffen, gerade in einer Zeit steigender Kosten und fehlender Alternativen.
Wer kündigen möchte, sollte die Kündigungsfristen beachten und sich vorher über Alternativen informieren. Der AvD, ACE und „Mobil in Deutschland” bieten vergleichbare Leistungen – teilweise günstiger und mit besseren Testergebnissen.Klar ist: Mit 22 Millionen Mitgliedern bleibt er der größte Automobilclub Europas – aber das Vertrauen vieler Autofahrer hat er verloren.
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